Macht Schule wirklich fit für den Einstieg in die Arbeitswelt?

Veröffentlicht auf von Assilsan

Ab 6 Jahren fängt es für alle Kinder in Deutschland an: Mindestenhttp://farm8.staticflickr.com/7173/6720263367_c135f593a9.jpgs 9 Jahre unseres Lebens verbringen wir fast vollzeitig in der Schule, unserer Vorbereitung auf den Arbeitsplatz, damit wir die Gesellschaft als gebildete und mündige Bürger tragen. Danach folgen meistens mindestens 2-4 Jahre Ausbildung oder Studium. Bei einem Gymnasiasten mit G8 und einem darauffolgenden Studium (sagen wir mal von 4 Jahren) macht das insgesamt 16 Jahre!

 

Das ist keine unerhebliche Investition, bedenken wir, dass wir in dieser Zeit ja zum Großteil keinerlei Entlohnung bekommen. Wir üben, pauken, trainieren, opfern unseren Alltag, Geld, Zeit, Nerven und Beziehungen. Doch wie sieht es aus? Ist ein Jugendlicher mit einem Schulabschluss dann fertig vorbereitet auf die Arbeitswelt und kann losziehen und die investierten "Unkosten" schnell wieder hereinwirtschaften? Keine einfache Frage!

 

Was am Arbeitsplatz zählt

http://openclipart.org/image/800px/svg_to_png/152905/1312133506.pngEin Arbeitgeber möchte natürlich zuverlässige, pünktliche und fleißige Angestellte die, je nach Branche, mehr oder weniger Fachmänner auf ihrem Gebiet sind. Die Arbeitsangebote sind so vielschichtig, dass es fast unmöglich ist, hier vorher eine Massenausbildung heranzuziehen. Der eine Chef braucht Menschen mit hohen sozialen Fähigkeiten, ein anderer monotones Abarbeiten von Handgriffen und der nächste körperlichen Einsatz oder Interpretationsvermögen.

 

Wenn wir eine weitere, wichtige Qualität nennen wollen, die an jedem Arbeitsplatz von größter Wichtigkeit ist, aber meist vergessen oder zumindest unterschätzt wird, ist das Selbständigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Egal ob wir an einem Fließband stehen, Kühe melken, Abrechnungen sortieren oder Patienten behandeln, wir müssen selbständig die Anweisungen z.B. unseres Chefs umsetzen können und für unser Handeln Verantwortung übernehmen. Dies verlangt auch allein schon die Suche und Bewerbung für einen Job: wir müssen entscheiden, was wir vorraussichtlich leisten können und ob uns die Entlohnung dafür entspricht - das kann uns niemand abnehmen.

 

Was die Schule uns versucht beizubringen

Es gibt kaum eine Institution, die so darauf achtet, dass alle Personen vollzählig und pünktlich anwesend sind wie die Schule. Das trainiert jeden von uns darauf, dass ein Arbeitstag um 8 Uhr beginnt und von unserer Leistung abhängt, wie gut wir abschneiden etc.. Wir lernen, wie man mit einer Autorität umgeht und deren Anordnungen erfüllt. Im Prinzip ein fiktives Trainingssystem für den späteren Alltag.

 

Schwächen im Schulsystem

Das oben Genannte ist unsere Wunschvorstellung der Schule, aber in der realen Umsetzung sieht das manchmal doch anders aus. Nicht alle Lehrer sind in der Lage, jedem Schüler diese Qualitäten pädagogisch sinnvoll zu vermitteln und so geht der Schuss auch schnell mal nach hinten los; Lehrer werden als wenig glaubhafte Autoritäten eingestuft und dieses Bild prägt sich dann auf Erwachsene und Vorgesetzte im Allgemeinen. Zu frühes Aufstehen, Überforderung und Leistungsdruck führen zu Stress, Schlafmangel und Verlust des Selbstwertgefühls welches uns die Erfahrungen, sei es Pünktlichkeit oder Zuverlässigkeit, mit negativen Gefühlen belegt, weil wir niemals gut genug sein können.

 

Zudem ist es in dem aktuellen Schulsystem schwer möglich, einen Verantwortungssinn oder eine wirkliche Selbstständigkeit zu entwickeln. Aufgaben und Inhalte sind sehr willkürlich. Es reicht nicht, in einem Fach gut oder sogar sehr gut zu sein, sondern man muss gleichzeitig in Fremdsprachen wie auch in Naturwissenschaften einen gewissen Durchschnitt halten. Deswegen lernen wir eher noch, unsere eigene Intuition hinten anzustellen und blind den Anweisungen unseres Vorgesetzten nachzukommen.

 

Bringen wir aber keinen Ehrgeiz oder ein Talent mit, welches uns dazu anspornt, Befehlen gerecht zu werden, dann fallen wir schnell aus dem System. Unsere eigentliche Fähigkeit, eben genau selbstständig zu handeln wir nicht weiter gefördert und von daher landen wir schnell in einem Teufelskreis.

 

Fazit

Die Schule und unser System versucht zumindest, ihre Kinder auf einen Einstieg vorzubereiten. Allerdings ist es einfach unmöglich, dabei jedem Kind zu seinem vollen Potential gerecht zu werden, was dazu führt, dass viele Jugendliche aus dem System rausfallen und orientierungslos in die Arbeitswelt geschickt werden, mit manchen Illusionen im Kopf. Wir haben es hier schließlich mit Menschen zu tun und ein Ausfall aus dem System bedeutet in dieser Annahme, ein Abgang von der Schule ohne Abschluss und Aussicht auf eine der Person gerechten Ausbildung bzw. Job.

 

Für einen kleinen Teil von uns und für einen minimalen Bereich der Arbeitswelt, mag das heutige, deutsche Schulsystem uns gut vorbereiten, bei anderen gibt es durchaus Nachhol- bzw. Kompensationsbedarf.

 

Ein paar Tipps wie man diese Mängel kompensieren kann?

Um mit Stress und Leistungsdruck wirklich umgehen zu können, brauchen wir ausgiebige Phasen der Erholung und Möglichkeiten uns frei auszudrücken. Je jünger wir sind, desto länger und wichtiger ist das für uns. Kinder brauchen unbekümmertes Spielen ohne Zeiteinschränkung, Zeit mit freundlichen Erwachsenen, welche einfach nur für sie da sind und eine wirkliche Vorbildfunktion übernehmen können sowie für Fragen jederzeit zur Stelle sind.

 

Diese Begleiter brauchen Jugendliche wie Kleinkinder - und selbst Erwachsene dann ebenfalls für den Übergang in die Arbeitswelt, denn dort geht das Lernen eigentlich erst richtig los.

 

Wenn wir in uns ruhen, nicht von Stress, Druck und Haltlosigkeit geplagt sind und auch gelernt haben, eigene Dinge zu verwirklichen, dann erhalten wir uns ein gesundes Selbstwertgefühl und können später auf neue und eventuell stressige Situationen mit mehr Kraft reagieren.

 

Veröffentlicht in Schule - Bildung & Arbeit

Kommentiere diesen Post